Geschichte

Die Region im Großraum Passau und das westliche Innviertel auf österreichischer Seite waren bis Mitte Juli 2002 ein „weißer Fleck“ auf den Luftrettungskarten. Die RTH, bzw. NAH, die in Straubing, Linz, Traunstein und Salzburg stationiert sind, haben im Schnitt weit über 70 Kilometer Entfernung bei Einsätzen im östlichen Niederbayern.

Bereits 10 Jahre vor der Indienststellung von Christophorus Europa 3 gab es vom damaligen Leiter der Rettungsleitstelle Passau Josef Parzer und anderen den Wunsch, einen Rettungshubschrauber in Passau zu stationieren. Aufgrund mangelnden Rückhalts in der Politik, blieb es jedoch bei dem Versuch.

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Im Sommer 2001 wurde dann bekannt, dass das Krankenhaus Braunau tätig wurde, einen Rettungs- bzw. Notarzthubschrauber, wie es in Österreich heißt, in Braunau zu stationieren.  Laut dem Verwaltungsleiter des Krankenhauses, Erwin Windischbauer, wurde zunächst mit einem Betreiber namens EHS (European Helicopter Service) verhandelt. Zu diesen Zeiten war von einer MD 902 als Einsatzmaschine die Rede.
"Notfall: Bald rettet der Medicopter" titelte die Braunauer Rundschau im Dezember 2001. Die Fa. ARA-Flugrettungs GmbH (Air Rescue Alpin), mit Sitz in Bregenz, Österreich war in die Verhandlungen eingestiegen. Geschäftsführer Martin Mühlmeyer verhandelte mit der öberösterreichischen Landesregierung, den Hilfsorganisationen und dem Krankenhaus Braunau. Die ARA setzt in Österreich derzeit zwei Notarzthubschrauber ein. In Kärnten eine BK 117 und in Tirol eine Bo 105. In Braunau wollte man letztendlich eine Bo 105 stationieren, nachdem zunächst auch eine BK 117 in Erwägung gezogen wurde. Die Hubschrauber der ARA werden von der Fa. HTM aus München eingesetzt,  die u. a. die Flugaufnahmen für die Medicopter-TV Serie fliegt. Die Fa. HTM setzt in Österreich Helikopter ein, die von der DRF eingechartert werden.

Auch der ÖAMTC, größter Betreiber von Notarzthubschraubern in Österreich, war in Bezug auf eine Stationierung eines Hubschraubers für Braunau im Gespräch. Nachdem sich der ÖAMTC Ende Mai 2002, Anfang Juni 2002 aus den Verhandlungen verabschiedete, schien es so, dass die ARA/DRF im Bereich Braunau eine Station einrichten könnte.

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Am 10.07.02 gab dann der ÖAMTC –für Viele ein wenig überraschend- folgende Presseerklärung bekannt:
„Auf Initiative des Krankenhauses Braunau fliegt ab dem 23. Juli 2002, vom Flugplatz Suben an der bayerisch/österreichischen Grenze (40 km östlich von Braunau) mit Christophorus Europa 3 der erste von Organisationen aus zwei Staaten betriebene Notarzthubschrauber Rettungseinsätze im Großraum Passau und im oberösterreichischen Innviertel. Das vorerst auf ein Jahr befristete Pilotprojekt wird von ADAC und ÖAMTC gemeinsam betrieben.
Stationsleiter wurde der ÖAMTC-Pilot Johann-Paul Brunner, der seitens des ADAC vom Flugbetriebsleiter-Süd der ADAC-Luftrettung, Gerhard Wittmann und vom Straubinger Stationspiloten Stephan Wanner unterstützt wurde. Die zwölf Notärzte, unter der Leitung von Dr. Peter Hatzl, Anästhesist am Krankenhaus Braunau, kommen sowohl aus Bayern als auch aus Oberösterreich. Die zehn Notfallsanitäter, bzw. Rettungsassistenten kommen jeweils zur Hälfte aus Bayern und Oberösterreich. Sie werden von den BRK Kreisverbänden Passau und Freyung-Grafenau gestellt. Leitender Notfallsanitäter wird Josef Hamedinger vom Roten Kreuz Schärding.“

 

Die Stützpunkleitung wurde inzwischen im Sommer vom ÖAMTC-Pilot Peter Gmeiner übernommen, im Winter vom ADAC-Pilot Stefan Kottbusch.
Die Sommermonate, bis Ende Oktober wird mit einer EC 135  vom ÖAMTC geflogen, da man seitens des ÖAMTC im Sommer mehr Kapazitäten als der ADAC frei hat. In den Wintermonaten benötigt der ÖAMTC durch die zahlreichen Skigebiete in Österreich Hubschrauber für zusätzliche Standorte. Ab dem 01.11. kommt dann für das Winterhalbjahr eine nahezu identische EC 135 T1 der ADAC-Luftrettung zum Einsatz. Der ADAC kann erfahrungsgemäss im Winter eher eine Maschine bereitstellen, als im Sommer. So ergänzen sich die beiden Flugbetriebe. Die Kosten werden geteilt, jeder Betreiber übernimmt für seine Einsatzzeit die anfallenden Kosten für Flugbetrieb etc.
Die Einsätze werden von den Rettungsleitstellen Passau auf bayerischer Seite, und von der Rot-Kreuz-Leitstelle Innviertel in Ried im Innkreis, koordiniert. 
"Mit der Stationierung dieses Notarzthubschraubers im Grenzort Suben wird nun auch die Bevölkerung des Großraums Passau und weiten Teilen des oberösterreichischen Innviertels binnen weniger Minuten rasche notärztliche Hilfe aus der Luft erhalten",  so die Oberösterreichische Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger.

Der Funkrufname "Christophorus Europa 3" wurde in Anlehnung an die beiden vom ADAC betriebenen RTH-Stationen „Christoph Europa 1“ in Aachen-Würselen und „Christoph Europa 2“ in Rheine gewählt. Nachdem die beiden Stationen rein von Deutschland aus betrieben werden ist dieser „Christoph(orus) Europa" tatsächlich ein Novum, da hier zwei Länder eingebunden sind. geschichte2

Im Sommer fliegen ÖAMTC-Piloten die österreichische Maschine, im Winter dann ADAC-Piloten den deutschen Hubschrauber. Die Notärzte und Notfallsanitäter, bzw. Rettungsassistenten werden das ganze Jahr über eingesetzt. Hier wird nicht halbjährlich gewechselt, so dass es jederzeit möglich ist, dass ein Notarzt aus Bayern und ein bayerischer Rettungsassistent mit dem österreichischen Piloten auf der ÖAMTC-Maschine fliegt. Alarmiert wird von der in Österreich zuständigen Leitstelle in Ried im Innkreis. Da man mittlerweile auch für Deutschland eine BOS-Funk Genehmigung hat, besteht auch in Sachen Funkverkehr keinerlei Problematik. Sprachliche Barrieren gab es zwischen Bayern und Österreich, bei aller Rivalität und Patriotismus auf beiden Seiten des Inn und der Donau, ohnehin nie.
Am 23.07.02, dem Tag der Indienststellung, fand dann zunächst im Krankenhaus Braunau eine Pressekonferenz statt. Hier wurden von Kurt Nordberg, Vorstand der ÖAMTC-Flugrettung, die beiden zum Einsatz kommenden Maschinen und das Einsatzkonzept der Presse vorgestellt.  Der Verwaltungsleiter des KH Braunau, Erwin Windischbauer zog in seinem Statement ein kurzes Fazit über die Bemühungen seitens des KH Braunau und schloss mit der Hoffnung, den Hubschrauber doch irgendwann in Braunau zu stationieren, da es sich, wie o. a. um ein auf ein Jahr befristetes Pilotprojekt handle. Seitens des Betreiber, der Hilfsorganisationen und der Politiker wurde ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass der Standort auf dem Flugplatz in Suben wesentlich günstiger als Braunau sei, und man daher an Suben nicht rütteln werde. Anschließend flogen beide Hubschrauber von Braunau zum Flugplatz nach Suben, wo dann die offizielle Indienststellung stattfand.

Schon kurz nach Ende der Ansprachen startete "Christophorus Europa 3" zu seinem ersten Einsatz.
Ein schwer verletzter Patient musste vom Krankenhaus Schärding in eine Klinik der Maximalversorgung nach Linz verlegt werden.


Stand: 07.04.2008